5. Oktober 2021

Gedanken zur Nachhaltigkeit

Der nicht ganz einfache Spagat zwischen UN-Nachhaltigkeitszielen und dem ESG-Standard
 
Die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen zeigt, dass das Interesse an diesem Thema wächst und Anleger zunehmend darauf achten, wie ihre Investitionen tatsächlich eingesetzt werden. Immer mehr Kapitalanleger wollen Verantwortung für ihr eingesetztes Geld übernehmen und so ihren Beitrag zur Erreichung der nachhaltigen Ziele leisten. Allerdings ist dies leichter gesagt als getan. Denn spricht man über nachhaltige Ziele, so stehen die im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen (UN) formulierten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG) typischerweise im Vordergrund. Diese SDGs sind politisch formulierte Ziele und beinhalten beispielsweise die Gewährleistung hochwertiger Bildung oder die Bekämpfung des Klimawandels. Die Erreichbarkeit dieser 17 Ziele hängt nur indirekt mit Anlageinvestitionen zusammen. Dabei ist die Tatsache, dass SDGs und nachhaltige Anlagen oftmals zwei Paar Schuhe sind, eine zentrale Einsicht für nachhaltigkeitsaffine Anleger. So lassen sich nicht alle SDG-Ziele gleich gut mit einer Investition in Kapitalanlagen umsetzen. Während sich zum Beispiel direkte oder indirekte Anlagen in Wasseraufbereitungsprojekte ganz eindeutig dem SDG-Ziel Nr. 6 «Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen» zuordnen lassen, kann die Bekämpfung von Armut und Ungleichheit weniger gut mit einer Anlage-strategie verknüpft und umgesetzt werden.
Zudem bestehen bei der Erreichung einzelner SDGs auch Zielkonflikte, insbesondere wenn der zeitliche Aspekt als Grundlage herangezogen wird. So gilt es zum Beispiel zwischen heutigen Arbeitsbedingungen und zukünftigem Wohlergehen abzuwägen. Zum einen sind faire Arbeitsverhältnisse ein wichtiger Indikator für gesellschaftlichen Wohlstand und für demokratische Reife. Zum andern zeigen Studien der Weltbank, dass Volkswirtschaften im Aufstieg auf der Wertschöp-fungsleiter verschiedene Transformationsphasen durchlaufen, bevor ihr Wohlstand erhöht werden kann. Strukturschwache Volkswirtschaften setzten dabei oft auf billige Arbeitskräfte als Wettbewerbsvorteil. Dabei erweist es sich als schwierig, faire Arbeitsverhältnisse einzufordern, zumal diese Volkswirtschaften demokratisch wenig entwickelt sind. Dennoch ermöglicht dieser Wettbewerbsvorteil der nächsten Generation den Zugang zu Bildung und ebnet somit den Weg Richtung Wohlstand und mehr Gleichheit. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass SDGs bei globalen Investitionen thematisch marktübergreifend eingesetzt werden können. Es bieten sich aber nicht für alle 17 Ziele direkte Investitionsmöglichkeiten. Für den Anleger, der die SDG-Ziele nicht aus den Augen verlieren will, braucht es also ergänzende Standards, welche auch die Verantwortung der Wirtschaft miteinbeziehen. So können, um beim obigen Beispiel zu bleiben, Standards für faire Arbeitsbedingungen auf Unternehmensstufe Anreize schaffen, damit in das Unternehmen investiert wird, ohne dabei die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandortes zu untergraben. Solche Standards für verantwortungsvolle Unternehmensführung finden wir zwar nicht bei den SDGs, dafür aber beim sogenannten ESG-Ansatz – nach den englischen Begriffen Environmental (E), Social (S), Governance (G). Der ESG-Ansatz hat sich in den letzten Jahren in der Finanzwelt als Standard für nachhaltige Geldanlagen durchgesetzt. Inzwischen gibt es einen bunten Strauss an Finanzinstrumenten, mit denen ESG-konform investiert werden kann. Für den Investor, der Verantwortung für sein eingesetztes Geld übernehmen und seinen Beitrag zur Erreichung der nachhaltigen Ziele leisten will, gilt folgende Aussage: «Nachhaltiges Anlegen fängt mit der Integration von ESG-Standards im eigenen Portfolio an.»